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3
Dez
2008

Geschichte einer Zugfahrt

Da ist diese Müdigkeit. Nicht schlimm. Aber die Müdigkeit ist immer nach der Schule da, zwischen Schulschluß und - noch!- komplett freiem Nachmittag.
Die Erschöpfung führt zu Lethargie: bloß nicht außer Haus gehen.
Da ist diese Müdigkeit. Nur eine Stunde daheim gewesen, da warkeine Hektik, aber da war gefühlsmässig wieder mal zu wenig Zeit zur Rekreation. Also chillen im Zug.
Die Gedanken sind frei. Flashback.
K-Town. Da war doch was. Dieser Abend im Douala, diese Einladung zur Einweihungsfeier in Kisslegg. Kein Bereuen. Hätte schlimmer kommen können. Ist schon schlimmer gekommen, aber das ist lange her. Wie witzig wäre es, wenn...
Umsteigen. Tatsächlich sitzt er da. Lustig.
Ich hab es immer gesagt: mein Umfeld hält mich, fixiert mich, bewahrt mich vor dem Absturz. Im Grunde bin ich wie sie. Da ist kein Risiko, nur das schulmädchenhafte Verlangen nach dem Geschmack des Risikos. An diesem Abend war der Geschmack bitter und langanhaltend.Drrrrrrr.

Freunde kennen normale Leute. Vielleicht ein bisschen freaky. Vielleicht mal homosexuell. Sexuell freizügig. Vielleicht mal kiffen. Saufen sowieso. TMs und Stress mit dem/der Ex. Schüler, Azubis. Vielleicht mal ein Student.
Und ich kenne ihn. Zum Beispiel.

2
Dez
2008

Welcome to the Soldier Side

Höhere ideelle Ziele.
Nein, kein Aufbegehren mehr gegen Autorität, gegen ein Regime. Wir sind eine andere Generation. Wir werden keinen Dritten Weltkrieg dulden.
Wir führen andere Kriege.

Wir sind eine verlorene Generation, wir sind Opfer der Generation vor uns. Da war der Krieg, da war Woodstock und die RAF, da war der Mauerfall. Und endlich führt die Geschichte der Dekadenz zu uns selbst.
Wir sind die zerstörte Generation. Wir sind ichbezogene Borderliner. Ursache und Wirkung. Symptome. Diagnose. Nein, wir sind keine Materialisten mehr, wir sind nicht verdummt durch das Fernsehen. Wir sind ein Sonderfall. Eine ganze Generation weltweit. Verdummt durch sich selbst. Unvorhergesehen.
Wir sind Egozentriker, wir sind Individualisten.
Wir alle sind gleich.

Wir sind die Weltverbesserer, wir sind gegen alles. Wir gehen wählen, weil das plötzlich individuell und weltverbessernd ist. Plötzlich steht eine ganze Generation an der Urne und entscheidet für sich selbst. Für was entscheidet sie sich?

Wir sind ambitioniert und gleichzeitig hoffnungslos. Weltkriege gibt es nicht mehr. Die führt jeder daheim. Wir sind die Scheidungskinder, wir kommen aus zerstörten Familien, wir brauchen Liebe und kriegen sie nicht, wir wollen souverän sein und werden doch voller Fürsorge daheim behalten. Eine Generation – der Traum jeder Neurologie. Ein Paradox. Problemkinder.
Wir sind die Selbstzerstörer, die Selbstmanipulierer. Ritzen und die die Welt verbessern wollen, oder Drogen und Ficken – wo bleibt der Unterschied?
Wir sind alle gleich.

1
Dez
2008

...

Heute ein Anruf von einem Gespenst der Vergangenheit.
Frisch aus der Weissenau.

"Ähm.....Treffen?Ganz schlecht, ich hab die letzten paar Wochen gmerkt: ich brauch keine Typen!Echt nicht!"

30
Nov
2008

Ähm,doch vlt etwas übertrieben?

Scheiß Gefühl, aufzuwachen und nicht zu wissen,was passiert ist.
Ich bin ja whl gottseidank in meinem Bett gelandet,aber...wann und wie?
Die Hose noch an, T-Shirt ausgezogen, neben das Bett geschmissen. Das könnte ich selbst gewesen sein.
Wie hab ich die Haustür geöffnet?
Warum läuft ein Film, als ich aufwache?
(...)

29
Nov
2008

Heisa, eine Schneeballschlacht


I don't give a fuck if it's dark or not
I'm harder than me tryin to park a Dodge when I'm drunk as fuck
Right next to a humungous truck in a two-car garage
Hoppin out wit two broken legs, tryin to walk it off
"Fuck you too bitch, call the cops!"
I'ma kill you and them loud ass motherfuckin barkin dogs


Ganz logisch: Züge kann man ab und zu verpassen. Ganz logisch: wer viel Zug fährt,verpasst viele Züge- klar soweit?

Ich schaffe die Strecke K-Town-Aitrach in 45 Minuten. Jedesmal Glück.
Das zweite Mal innerhalb von drei Wochen, dass mich ein knuspriger Typ mitnimmt..wieder ein Gepiercter. Ein Omen für mich? Piercen lassen nächste Woche?

28
Nov
2008

Sans Plan

(aus Angst gelöscht..also doch lieber Falschheit)

Während ich das so schreibe, merke ich, dass ich es vielleicht bin, die sich anpasst an die Situationen und an die jeweiligen Personen. Woher käme sonst wohl die Ambivalent meiner Einschätzungen, woher sonst käme, dass mich manche Leute ankotzen, aber ein Abend dennoch so angenehm wird?
Ich dachte immer, ich habe es nicht nötig, mich mit Freundschaften zu schmücken, die einfach nur falsch sind, die ich einfach nicht ertragen kann. Und dennoch konstituieren sich diese Freundschaften aus unausweichlicher Gewohnheit und wechselhafter Sympathie. Oder zeitweises Ignorieren aller Probleme.

27
Nov
2008

...

Mit 90 Cent O-Saft und 5 Euro Wodka ein Weg ins Glück finden.
Irgendwie war ich heute sehr gut drauf.

26
Nov
2008

...

Laufen. Vier Kilometer schon, das Städtchen naht, der Bahnhof. Kein Zeitgefühl, keine Uhrzeit zum Ausgleich. Ein Auto hält. „Soll ich dich ein Stück mitnehmen?“. Ich bin zu durch von der Nacht, zwischen Schlafen und Wachen. Zuviel „Urvertrauen“. Zu wenig schlechte Erfahrungen?
Ungepflegte Hände. Warum auch immer, er nimmt mich mit, nicht mal einen Kilometer weit. Was er wohl erwartet hat?

Meine Mutter hat mich mehr oder weniger aus dem Auto geschmissen. Die Stadt so weit weg. Ich renne. So geht es schneller. Ein Auto fährt vorbei. Eine mitleidige Frau. „Du siehst aus, als ob dus eilig hättest..“. Kein Daumen damals. Noch nie gestoppt.
Plötzlich erschließen sich Alternativen.

Es ist Sommer und irgendwie bin ich auf die Idee gekommen, dahin zu gehen. Die erste fette Lüge an meine Eltern. Was sie wohl gesagt hätten, wenn ich gesagt hätte, ich warte auf den ersten Zug?
Um halb drei komme ich am Bahnhof an. Ein Gleichaltriger macht es ebenso. Es ist Sommer, es ist warm. Ich habe nicht einmal eine Jacke dabei. Es ist Sonntag und ich muss bis halb 8 warten.

Die schlechten Erfahrungen werden immer ausgeblendet. Traumatische Ereignisse sind nur im Moment schlimm. Nach soviel Kälte und soviel Scheiße bin ich heimgekommen, meistens gleich ins Bett. Dann blieben nur die positiven Erinnerungen. Wenn überhaupt. Da war keine Befriedigung, aber auch keine Leere. Auch kein unmittelbarer Reiz, alles zu wiederholen. Ich habe einfach wiederholt.

Ich wache aus meinem Halbschlaf auf, weil ich dachte, jemand steht vor. Mehrere Personen, die mich anstarren, wie ich im Sitzen und mit an den Körper gezogenen Knien an der Wand sitze. Sitze und schlafe.
Es ist Winter und ich habe geträumt. Ich bin allein. Damit die Kälte des Bodens nicht von meinem Hintern durch meinen Körper zieht, sitze ich auf einem meiner Pullis. Es ist Winter und ich sollte vielleicht eher nicht schlafen. Ich weiß nicht, ob man in Deutschland erfrieren kann. Die Kälte treibt die Farbe aus meinem Gesicht. Da ist nur diese Kälte.

Südländer eben. Ganz sanft nimmt er meine Hand zum Abschied und zieht mich zu sich. Nur ganz kurz berühren sich unsere Lippen. Unsere Zungen. Wie ein Blitzschlag.

Ich wache auf und weiß nichts mehr. Da war zuviel Alkohol. Da war irgendein Grund zum Feiern. Da ist dieser Mann auf mir, ich sehe sein Gesicht vor meinem. Jetzt weiß ich auch wieder, warum ich aufgewacht bin. Er versucht mich zu küssen, und schafft es. Ich sehe nur dieses dunkle Gesicht, diesen abartigen Blick. Nach einer gefühlten Ewigkeit befreie ich mich. Ich kann kaum noch gehen.

Der Joint geht rum. Wie selbstverständlich wurde er vor aller Augen gebaut. Jeder sieht es, jeder riecht es. Jedem ist es egal. Ihre kaum merkliche Geste wollte ich nicht überbewerten. Er geht weiter. Ohne mich. Bei der nächsten Runde bin ich dann dran. „Da wird kaum noch was drin sein.“

Irgendwie sieht er ganz schön fertig aus. So, wie ich mich irgendwie fühle.
Wir verabreden uns im Herrenklo. Unauffällig.
Später bin ich wieder wach.


Wir sind in der 5. Klasse oder so. Besinnungstage. Wir müssen jedem was Nettes schreiben. „Du bist echt voll okay“ steht auf meinem. Ich glaube, ich habe mich damals gefreut. Auch damals gab es Hierarchien, aber dieser anonyme Zettel, diese anonyme Bestätigung war abseits davon. Ganz simpel die Aussage. Es ging nicht um Coolness. Es ist egal, ob der Zettel von einem Jungen oder einem Mädchen geschrieben wurde. Egal ob Klassenpummel oder Klassenschönheit. Dieser Fakt verwirft die Oberflächlichkeit des Wortes „Bestätigung“.
Wir suchen unsere eigene Bestätigung, abseits von jedem Vorwurf der Geltungssucht.

...

Keine spezifische Angst vor schlecht(er)en Noten. Eine Angst vor dem Kollektiv.
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Zuletzt aktualisiert: 19. Nov, 06:51

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